Die ostbaltische Rasse

 

Die ostbaltische Rasse

von Hans F. K. Günther

 
Auch sie ist bis in Einzelheiten hinein gedrungen, unter-setzt, wie die ostische Rasse, besitzt aber eine etwas größere durchschnittliche Körperhöhe. Eine gewisse Grobknochigkeit fällt am ostbaltischen Menschen auf, so auch in der beträcht-lichen Schulterbreite.
Der Kopf wirkt ebenfalls breit und grobknochig. Er ist verhältnismäßig groß und schwer mit einem Gesichtsteil, der gegenüber dem Gehirnteil besonders massig wirkt. Da-zu trägt auch der breit, kurz, massig und knochig gebaute Unterkiefer bei. Der Kopfindex mag etwas niedriger sein als bei der ostischen Rasse, weil anscheinend bei gleich beträchtlicher Kopfbreite das Hinterhaupt etwas mehr ausgewölbt ist als bei der ostischen Rasse. Der Gesichtsindex ist ein wenig höher als bei der ostischen Rasse, weil bei gleich beträchtlicher Jochbogenbreite, ja sogar deutlich nach außen und vorn abstehenden Jochbeinen die Gesichtshöhe (durch einen höheren Unterkiefer und eine größere Höhe beider Kiefer im Gebiete der Zahnfächer) beträchtlicher ist als bei der ostischen Rasse.
Abb. 41 a, b. Kreis Liegnitz (Schlesien). Vorwiegend ostbaltisch (A: hellblau)
(Aufn.: Sammlung Sanitätsrat Dr. Rosenow, Liegnitz)
Abb. 42. Schlesien. H: aschblond, A: grau. Ostbaltisch (Zeichn.: L. v. Küster)
Abb. 43. Schlesien. A: braun. Vorwiegend ostbaltisch. (Zeichn.: L. v. Küster)
Abb. 44. Königsberg. Vorwiegend ostbaltisch - mit fälischem Einschlag?
Abb. 45. Sachsen. Vorwiegend ostbaltisch mit ostischem Einschlag
Abb. 46. Lüneburger Heide. Vorwiegend ostbaltisch
Abb. 47. Mähren. Marie von Ebner-Eschenbach, geb. Gräfin Dubskn. Ostbaltisch
Abb. 48. Neu-Ruppin. K. F. Schinkel, Baumeister, 1781-1841.
Ostbaltisch mit nordischem Einschlag
Abb. 49. Dresden. v. Lenser, Maler, geb. 1793. Ostbaltisch-nordisch
(Zeichn.: Vogel v. Vogelstein)
Abb. 50. Tapiau (Ostpreußen) Lovis Corinth, Maler, 1858-1925. Ostbaltisch-nordisch
Abb. 51. Altbayern. Vorwiegend ostbaltisch mit dinarischem Einschlag?
Der Gesichtsschnitt wirkt stumpf. Die Stirn ist weniger zurückgewölbt als zurückgeneigt, doch nicht stark geneigt. Die Nasenwurzel liegt eher flacher als bei der ostischen Rasse; die Nase ist eingebogen und kurz und wirkt (für abendländische Anschauungen) dadurch besonders „häßlich“, daß sie sich im unteren Teile zugleich aufstülpt und mit den Flügeln breiter und stumpfer auslegt, als dies im allgemeinen bei der ostischen Rasse vorkommt. Die Kiefer haben eine leichte Neigung, nach vorn vorzuspringen, während sie bei den anderen europäischen Rassen gegeneinander gerichtet sind. Der massige Unterkiefer zeigt ein stumpfes Kinn.
Die Weichteile zeigen weniger Fetteinlagerungen als bei der ostischen Rasse, verhüllen also die Grobknochigkeit des Gesichtes nicht. Die Lidspalten der Augen ziehen vom inneren zum äußeren Augenwinkel (deutlicher beim weiblichen als beim männlichen Geschlecht) ein wenig nach oben. Durch die Enge der Lidspalte wirkt auch das ostbaltische Auge klein, verhältnismäßig größer als bei den bisher betrachteten Rassen ist der Abstand zwischen den inneren Augenwinkeln.
Die Haut ist hell, doch nicht rosig-hell; ihr ist meistens ein grauer Unterton eigen.
Das Haar fällt hart, ja straff; das einzelne Haar ist dick. Der Bartwuchs ist dünn mit ziemlich lang werdenden straffen Barthaaren. Die Haarfarbe ist hell, jedoch mehr zum Aschblonden neigend als zum Goldblonden. Wo bei der nordischen Haarfarbe meist ein goldener oder rötlicher Unterton erscheint, da bei der ostbaltischen ein grauer.
Die Augenfarbe ist grau, graublau, weißblau oder blau, seltener eigentlich blau, häufiger ins Graue oder Weißblaue spielend.
Die Leiblichkeit der ostbaltischen Rasse, verbunden mit der zähen Verbissenheit, welche das seelische Verhalten dieser Rasse kennzeichnet, eignet sich anscheinend besonders zum Langstrecken- oder Dauerlauf.
Man kann finden, daß Zeichner, welche verschlagene, rachsüchtige, knechtische oder verbissene Menschen darstellen wollen, diesen leibliche Merkmale der ostbaltischen Rasse verleihen. Auch bei Darstellung dumpfen oder gierigen, haßerfüllten oder fessellos erregten Wesens, vor allem bei Menschen der untersten Volksschichten, werden (wie auch Zeichnungen von Käthe Kollwitz zeigen können) oft zur Kennzeichnung Merkmale der ostbaltischen Rasse gewählt.
Ostbaltische Menschen erscheinen Fremden gegenüber zunächst als verschlossen, grüblerisch, schwerfällig, mißtrauisch, oder auch lauernd, scheinbar zufrieden mit wenigem, auch dumpf oder verbissen arbeitsam. Bei näherem Eindringen in ihr Wesen verraten sich viel verwickeltere Züge. Der ostbaltische Mensch kann Vertrauteren gegenüber sehr gesprächig werden und eine nie ganz gestillte Unzufriedenheit enthüllen, eine uferlos schweifende, verschwimmende Einbildungskraft, welche das Gespräch immer wieder wortreich abirren läßt in wirre Vorstellungen und Pläne, denen aber bei dem ostbaltischen Mangel an Wirklichkeitssinn und Entschlußfähigkeit kaum gestaltende, eine Sache fördernde Handlungen folgen. Bei allem schweifenden Plänebereden ist der ostbaltische Mensch doch Neuerungen abhold, läßt schließlich alles beim Alten, stellt alles „in Gottes Hand“, immer wieder einem dumpfen oder düsteren Glauben an ein Verhängnis verfallend. Dabei hält er viel aus an Entbehrungen, Bedrückungen und Leiden.
Ostbaltische Menschen neigen zum Massengeist und Geführtwerden und werden dadurch bei angemessener Führung, zumal ihnen zumeist ein lebhafter Vaterlandssinn eignet, zu willigen Untertanen, deren Anhänglichkeit an sie leitende Menschen sich bis zur Unterwürfigkeit steigern kann. Nahestehenden gegenüber sind ostbaltische Menschen meist hilfreich und gastfrei, oft überschwenglich entgegenkommend, zu ihren Angehörigen zärtlich. Fernerstehenden gegenüber neigen viele ostbaltische Menschen zur Verschlagenheit und bei Anlässen dazu auch zu berechnender Rachsucht. Eine Neigung zu Roheit und Hinterlist ist unverkennbar, Sie bedingt es wahrscheinlich, daß Ostpreußen, Posen und Schlesien „kriminell stark belastet“ (Aschaffenburg) erscheinen, vor allem durch gefährliche Körperverletzung und einfachen und schweren Diebstahl.
Was am ostbaltischen Menschen für die Menschen der anderen europäischen Rassen besonders auffällig ist, das ist das rasche Umschlagen seiner Stimmungen. von wütendem Zorn gegen einen Menschen zu versöhnlicher Reue, die sich vor diesem Menschen selbst anklagt, ja in Selbstanklagen schwelgt, von Niedergeschlagenheit in übersteigerte Ausgelassenheit, von stumpfer Gleichgültigkeit in Eiferwut (Fanatismus), von Unterwürfigkeit in Überheblichkeit, vom Sparen in verbissen arbeitsamen Wochen zu unbesonnener Verschwendung, die in blinder Vernichtungswut enden kann. „Nihilismus“ ist eine ostbaltische Stimmung.
Der ostbaltische Mensch ist ein guter Menschenkenner und oft ein eindringlicher Menschenschilderer, wenn auch seinen Schilderungen immer etwas Wirres und Schweifendes anhastet, seinen Erzählungen eine Neigung zu verbissen-ratlosen Stimmungen. Schauspielerische und tonkünstlerische Begabung, diese auch mit der Neigung zum Zerfließenden, Unbestimmten, sind innerhalb der ostbaltischen Rasse häufig. Gering ist im allgemeinen die leibliche Reinlichkeit und die Reinlichkeit der Wohnungen.
 

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