Die fälische Rasse

 

Die fälische Rasse

von Hans F. K. Günther

Sie ist sehr hochgewachsen, durchschnittlich, wenigstens beim männlichen Geschlecht, etwas höher als die nordische Rasse, dabei aber nicht schlank wie diese, sondern breit-hoch-gewachsen, „kastenartig“ schwer, wuchtig, ja vierschrötig. Das Wuchtige wiederholt sich in Einzelheiten: in der wuchtigen Kopfform auf ziemlich gedrungenem Halse, in der großen Schulterbreite und der auch beim Manne nicht geringen Hüftbreite, auch in den schweren Gelenken. Die fälische Rasse ist breit(niedrig)-gesichtig und lang- bis mittelköpfig. Man könnte das fälische Gesicht mit einem von oben und unten her breitgedrückten nordischen Gesicht vergleichen, wobei hauptsächlich die Augengegend zusammengedrückt und die Nase verkürzt worden wäre, das Mittelgesicht also den Hauptanteil der Verbreiterung bzw. Verkürzung zu tragen gehabt hätte. Der fälische Kopf lädt wie der nordische und westische weit über den Nacken nach hinten aus, doch zumeist in einer eckigeren, schwereren Form.
Abb. 52 a, b. Finkenwärder (Elbemündung). Vorwiegend fälisch
(Aufn.: Scheidt, Hamburg)
Abb. 53 a, b. Finkenwärder (Elbemündung). Vorwiegend fälisch.
(Aufn.: Scheidt, Hamburg)
Abb. 54. Hannover. Fälisch-nordisch
Abb. 55. Westfalen. Fälisch
(Sammlung Sanitätsrat Dr. Rosenow, Liegnitz)
Abb. 56a, b. Oberfranken, Bayern. Vorwiegend fälisch mit leichtem dinarischem Einschlag
Abb. 57. Berlin. M. v. Scholz, Dichter. Fälisch oder vorwiegend fälisch
Abb. 58. Gegend von Hersfeld, Hessen-N. Vorwiegend fälisch mit ostischem Einschlag
Abb. 59. Posen. Von Hindenburg u. Beneckendorf. Vorwiegend fälisch
(doch nicht Hinterkopfform)
Abb. 60. Preußischer Adel aus italienischem Geschlecht von Caprivi,
Reichskanzler. Fälisch mit ostischem Einschlag
Der Gesichtsschnitt ist gegeben durch eine (gegenüber der nordischen oder der dinarischen Rasse) minder hohe Stirn, die etwas steiler ansteigt als im allgemeinen die nordische Stirn, durch eine schirmartige Verdickung des Stirnbeins über den Augenhöhlen, die schon nicht mehr (wie in mäßiger Stärke bei der nordischen und der dinarischen Rasse) Überaugenbögen, sondern fast schon einen über der Nasenwurzel durchlaufenden Überaugenwulst ergibt, durch tief nach hinten liegende, bei ihrer Einbettung in niedriger Höhle ziemlich klein erscheinende Augen, eine kräftige, nicht lange und mit ziemlich stumpfer Spitze endende Nase, durch ein zwar betontes, aber bei seiner gröberen, minder abgesetzt wirkenden Form doch stumpfer wirkendes Kinn. Der ganze Unterkiefer wirkt massig auch durch die betonten Unterkieferwinkel.
Die Weichteile unterstützen den Eindruck des Wuchtigen durch Auftreten einer stärkeren Nasenlippenfalte (vgl. S. 32) schon in jugendlicherem Alter, durch eine Falte von den Mundwinkeln gegen das Kinn zu, durch einen ziemlich breiten Mund mit dünnen, gepreßt wirkenden Lippen. Die Waagrechte ist im fälischen Gesicht betont durch die Brauendächer, die ziemlich breite, hart wirkende Mundspalte und die betonten, oft abstehenden Unterkieferwinkel. Wie bei der ostbaltischen Rasse ist der Abstand der beiden inneren Augenwinkel voneinander größer als bei den anderen europäischen Rassen.
Die Haut ist rosig-hell, im Gesicht zum Rötlich-Hellen neigend, doch ohne die besondere Abgrenzung eines Wangenrots wie bei der nordischen Rasse. Die Haut des ganzen Leibes macht einen dickeren, derberen Eindruck als die der nordischen oder der westischen Rasse.
Das Haar ist etwas härter als bei den schmalgesichtigen Rassen Europas, anscheinend seltener schlicht, häufiger wellig oder lockig als bei der nordischen Rasse. Das Kopfhaar ist sehr dicht und anscheinend auch im Alter sehr widerstandsfähig. Seine Farbe ist etwa die der nordischen Rasse, vielleicht etwas mehr zum Rötlichen neigend.
Die Augenfarbe ist hell, vielleicht eher zu Grau als zu Blau neigend.
Die fälische Rasse ist den Bevölkerungen Mittel- und Westeuropas beigemischt, doch selten in so großem Anteil, daß rein oder stark vorwiegend fälische Menschen häufiger auftreten und sich mit ihrem seelischen Verhalten der unbewußt rassenkundlichen Beobachtung von bildenden Künstlern eingeprägt haben. Immerhin sieht man gelegentlich, daß Künstler denjenigen Menschengestalten, durch deren leibliche Züge sie eine gewisse wuchtige Kraft der Seele oder auch trotzige Festigkeit oder redliche Verläßlichkeit ausdrücken wollen — so z. B. in Herakles-Darstellungen —, daß sie solchen Gestalten fälische Merkmale verleihen.
Der fälische Mensch ist im Seelischen ebenso wuchtig-schwer geartet wie im Leiblichen. wuchtiges Standhalten, unerschütterliche Ausführung ruhig gefaßter Entschlüsse, Drang zu Gewissenhaftigkeit und Rechtschaffenheit, ja ein gewisses Bedürfnis, sich treu zu erweisen, kennzeichnen ihn. Von der zuverlässigen Gediegenheit mancher fälischer Menschen scheint geradezu etwas Beruhigendes auszugehen, zumal der fälischen Rasse bei aller Knorrigkeit und wenig verbindlichen Abgeschlossenheit, ja rauhen Würde etwas Warmherziges eignet, eine Warmherzigkeit und Innerlichkeit, welche auch das Glaubensleben fälischer Menschen durchdringt. Eine Neigung zum Grübeln, zum (selten oder nie ausgesprochenen) Schwernehmen des Lebens, ist kennzeichnend fälisch.
Erscheint der nordische Mensch als vordringend, von kühner, angreifender Willenskraft, so der fälische als beharrend von trotziger Willenskraft, die ihn zu stoßkräftiger Abwehr befähigt, aber auch zu Starrköpfigkeit werden kann. Kern hat den fälischen Menschen mehr gediegen als vielseitig genannt, mehr nüchtern als kühn, mehr freiheitsliebend als herrschsüchtig, mehr gewichtig als schöpferisch.
Lenz findet den fälischen Menschen mehr zu Baukunst und bildenden Künsten als zu Tonkunst und Beredsamkeit neigend. Innerhalb der abendländischen Baukunst möchte ich im romanischen Stil fälisch-nordisches Wesen, im gotischen überwiegend nordisches erkennen. Unter den Bildern bedeutender Menschen der abendländischen Völker findet man ziemlich häufig solche, die einen Menschen mit stärkerem fälischen Einschlag darstellen: ein Hinweis auf die Bedeutung der fälischen Rasse im Völkerleben. Lenz hat darauf aufmerksam gemacht, daß eine Vereinigung nordischer Kühnheit und fälischer Wucht solche Männer wie Bismarck und Hindenburg hervorgebracht habe. Man könnte hier auch einen Mann wie Björnson anführen und den fälischen Einschlag bei Luther, dessen bekanntes Abwehrwort vor dem Wormser Reichstag von kennzeichnend fälischem Klange ist.
 

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